Die Sage vom Graf Eberhardt, Ewgen Jäger und der Beerleshexe

Graf Eberhard von Württemberg ritt eines Tages allein den grünen Wald aus und wollte zu seiner Kurzweil jagen.  Plötzlich hörte er ein starkes Brausen und Lärmen, wie wenn ein Waidmann vorüberkäme; er kannte der verschrumpelten alten Angesichte, die zur Sammlung von Beeren und Holz sich in des Waldes Untergrund bewegten, war aber diese Erscheinung eine andere; er erschrak heftig und fragte, nachdem er vom Roß gestanden und auf eines Baumes Tolde getreten war, den Geist: ob er ihm schaden wolle? »Nein«, sprach die Gestalt, »ich bin gleich dir ein Mensch und stehe vor dir ganz allein, war vordem ein Herr. An dem Jagen hatte ich aber solche Lust, daß ich Gott anflehte, er möge mich jagen lassen bis zu dem Jüngsten Tag. Mein Wunsch wurde leider erhört, und schon fünfthalb hundert Jahre jage ich an einem und demselben Hirsch. Mein Geschlecht und mein Adel sind aber noch niemandem offenbart worden.« Graf Eberhard sagte: »Zeig mir dein Angesicht, ob ich dich etwa erkennen mög.« Da entblößte sich der Geist, sein Antlitz war kaum faustgroß, verdorrt wie eine Rübe und gerunzelt als ein Schwamm. Darauf ritt er dem Hirsch nach und verschwand, der Graf kehrte heim in sein Land zurück.

Die Sage vom „Ewgen Jäger“ ist der Ursprung unserer Narrenzunft. Sie bildet den Hintergrund, vor dem die Figuren des Vereins aufgebaut und nachempfunden wurden. Einzig die Beerleshexe wurde in Form einer alten Frau in die Sage integriert. Sie ist dennoch keine Fantasiefigur. Zahlreiche historische Erzählungen berichten von alten Frauen, die im Wald nach Beeren suchten und dabei so manchen schaurigen Eindruck hinterließen.